Traunstein, 11.11.06:                                                 (zu den Aktionen)
Wir wollen keine Atomkraft ( Presse-Erklärung)

Castor-Transport: Greenpeace ermutigt Bürger zum eigenen Atomausstieg

 

Traunstein, 11.11.06 ab 10:00 Uhr auf dem Maxplatz. Atommüllfässer rumpeln laut und bedrohlich über den Stadtplatz heran, begleitet von zwei Gefahrguttransporteuren in weißen Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken. Die Szene ist gespenstisch und Aufsehen erregend. Der Atommülltransport rollt auf den Maxplatz zu, wo sich bereits einige Bürger am Infostand postiert haben, um in einer Fotoaktion gegen Atomkraft zu demonstrieren. Außerdem wird Atommüll (natürlich nur sinnbildlich) in kleinen Dosen an die Bürger zum Einlagern zuhause verteilt, um dadurch ein Endlager "demokratisch" zu ermöglichen. Die Szenen sind ebenso surreal wie gespenstisch.

 

Der Grund:

Die Greenpeace Gruppe Chiemgau demonstriert heute gegen Atomkraft aus Anlass des Transports von Atommüll nach Gorleben und der Versuch von Energiekonzernen wie RWE, längere Laufzeiten für ihre alten Atommeiler durchzusetzen. Die Umweltaktivisten ermutigen Passanten, den Energieversorgern dafür die rote Karte zu zeigen und ihren Stromanbieter zu wechseln.

 

„Atomkraft ist gefährlich und unbeherrschbar und daher auch keine Lösung für das Klimaproblem“, argumentiert Sabine Wetzelsperger aus der Greenpeace Gruppe Chiemgau. „Drei Gründe sprechen gegen die Risikotechnik. Es gibt weltweit kein sicheres Endlager für den strahlenden Atommüll, auch in Gorleben nicht. Zudem kann niemand ausschließen, dass es zu einem Super-GAU in einem Atomkraftwerk kommt. Der Atomunfall im schwedischen Atommeiler Forsmark hat das kürzlich erst wieder bewiesen. Keiner kann die Gefahr eines terroristischen Angriffs auf ein Atomkraftwerk ausschließen.“

 

Deswegen halten es die Umweltschützer für unverantwortlich, dass die Energiekonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW planen, Strommengen auf alte Atommeiler wie Biblis A zu übertragen. Dadurch wollen sie die Reaktoren länger als im Atomausstieg geplant am Netz lassen. Greenpeace hat im Fall des AKW Biblis A in Hessen ein Rechtsgutachten vorgelegt, das zeigt, dass eine Verlängerung der Laufzeit sogar gegen das Atomgesetz verstoßen würde, weil der alte Meiler einfach zu unsicher ist. „Mit jedem Tag, den ein Schrottreaktor wie Biblis A länger läuft, erhöht sich nicht nur das Risiko eines schlimmen Unfalls. Es wächst auch die Menge an hochstrahlendem Atommüll, für den es keine Lösung gibt“, so Sabine Wetzelsperger.

 

Das geplante Endlager in Gorleben ist dafür der beste Beweis: Der Salzstock hat kein abschließendes, wasserdichtes Deckgebirge. Da er hierdurch direkten Kontakt zum Trinkwasser der Region hat, ist der Salzstock als Endlager für hochradioaktiven Müll ungeeignet. Sabine Wetzelsperger: „Politik und Energiekonzerne halten an dem Endlager fest, weil sie keine Alternative wissen, und weil sie den Atommüll möglichst schnell und möglichst billig vergraben wollen. Nach dem Motto: 'Aus den Augen aus dem Sinn', die Sicherheit der Menschen vor Ort ist ihnen dabei egal.“

 

Doch müssen die Bürger dem Treiben der Energiekonzerne nicht machtlos zuschauen. „Jeder kann selbst aus der Atomenergie aussteigen. Dazu muss er nur seinen Stromanbieter wechseln, das dauert gerade einmal fünf Minuten“, so Sabine Wetzelsperger. 'Atomausstieg selber machen' ist ein Aktionsbündnis aus 14 Umwelt- und Verbraucherschutzgruppen, die seit Ende September zum Stromwechsel zu einem Ökostromanbieter auffordern. www.atomausstieg-selber-machen.de